Thema Des Monats



Auch ohne Elbvertiefung wird der Hamburger Hafen nicht zum Biotop

Die Entschlammung der Elbe soll es großen Containerschiffen ermöglichen, den Hamburger Hafen zu erreichen. Reeder Mad Dabelstein sieht das umstrittene Projekt kritisch und hinterfragt dessen Sinn. Wenn Megaboxer nicht einlaufen können, werden eben mehr Schiffe fahren, um das Mehr an Ladung nach Hamburg zu bringen, argumentiert der Geschäftsführer und Gesellschafter von MarConsult.

Frage: Herr Dabelstein, wie wichtig ist die Elbvertiefung für Hamburg?

Mad Dabelstein: Bevor ich näher auf die Frage eingehe, muss ich einräumen, persönlich sehr unschlüssig zu sein, was der richtige Weg ist. Die Vertiefung der Elbe ist für Hamburg, die Schiffahrtsindustrie und die damit verbundenen Arbeitsplätze von sehr großer Bedeutung. Ich bin mir allerdings nicht wirklich sicher, ob Hamburg das mögliche Nachsehen aufgrund einer möglichen Ablehnung der Elbvertiefung haben wird. Die geografische Lage des Hamburger Hafens, der sich bekanntlich nicht direkt an der Küste der Nordsee befindet und eine mehrstündige Anreise von der Nordsee in den Hafen erfordert, könnte vielmehr viele Linienreedereien aufgrund der mit dem Anlaufen des Hamburger Hafens verbundenen Kosten und dem erforderlichen Zeitaufwand auch nach der möglichen Elbvertiefung dazu bewegen, Hamburg mit den sog. Megaboxern doch nicht anzulaufen.

Frage: Welche Bedeutung hat die Elbvertiefung für MarConsult?

Mad Dabelstein: Wir konzentrieren uns auf die kleineren, von Längen-, Breiten- und Tiefgangsbeschränkungen nicht betroffenen Schiffe und haben mit unserer Tonnage somit keine Probleme, den Hamburger Hafen bereits jetzt mit voller Ladung anzulaufen. Der Trend zu immer größeren Containerschiffen macht uns wenig Sorgen. Sollten die Megaboxer wegen des eingeschränkten Tiefgangs nicht mehr in den Hamburger Hafen einlaufen können, könnten unsere Feederschiffe die Container von/nach Hamburg transportieren. Überdies ist zu erwarten, dass auch künftig die Schiffe an Länge, Breite und Tiefgang zunehmen werden. Es ist also eine Frage der Zeit, wann die nächste Elbvertiefung erforderlich werden könnte. Schließlich wurde die Elbe seit Anfang des 19. Jahrhunderts bereits achtmal vertieft.

Frage: Sie sind also kein glühender Anhänger der Elbvertiefung?

Mad Dabelstein: Natürlich ist die Schifffahrt für Hamburg enorm wichtig. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Nicht-Vertiefung sind mir unklar. Es werden weiterhin Schiffe die Elbe rauf und runter fahren. Und es gibt eben viele Reeder, die wie wir genau diesen Transport anbieten, dort mit 3.000-TEU-Schiffen fahren und die Waren verteilen. Die großen Container-Schiffe fahren mittlerweile um Skagen direkt in die Ostsee hinein nach Danzig. Sie finden dort einen Hafen mit 15 Metern Tiefgang. Aus Danzig werden die Waren dann in andere Häfen verteilt. Das erspart den Linien-Reedern enorme Transit-Zeiten auf der Elbe.

Frage: Könnte auch Wilhelmshaven an Bedeutung gewinnen?

Mad Dabelstein: Das wäre eine Alternative zur Elbvertiefung. Am JadeWeserPort, dem einzigen deutschen tideunabhängigen Tiefwasserhafen, könnte mehr gefeedert werden, sowohl in die Ostsee als auch nach Hamburg. Für die Linien-Reeder ist es sinnvoll, weil sie nicht mehr acht Stunden die Elbe hinauffahren müssten. Bisher ist der JadeWeserPort allerdings ein Milliardengrab, die Schiffe fahren an ihm vorbei und die Elbe hinauf. Wenn jetzt die Elbvertiefung kommt, hätten wir uns JadeWeser eigentlich sparen können. Beide Projekte zusammen machen keinen Sinn.

Frage: Sie befürchten keinen wirtschaftlichen Niedergang Hamburgs, falls die Elbvertiefung nicht kommen sollte?

Mad Dabelstein: Nein. Es werden eben kleinere Schiffe nach Hamburg fahren und all die Container dort anliefern. Warum müssen wir 13,50 Meter tiedenunabhängigen bzw. 14,50 Meter tiedenabhängigen Tiefgang ermöglichen, um konkurrenzfähig zu sein? Das ist mir nicht klar. Zudem sind wir durch die geographische Lage des Hafens auf Dauer ohnehin benachteiligt. Ich bin daher unschlüssig, ob die Elbvertiefung der richtige Weg ist. Besonders auch, weil offensichtlich die Gefahr besteht, dass es zu einem ökologischem Ungleichgewicht kommt.

Frage: Sie nehmen also die ökologischen Argumente ernst?

Mad Dabelstein: Natürlich müssen wir uns als Reeder auch über den Umweltschutz Gedanken machen. Wir müssen Emissionswerte einhalten und werden künftig auch über Umweltplaketten, ähnlich wie beim PKW, nachdenken müssen. Ich frage mich tatsächlich, ob das Risiko der Elbvertiefung im Verhältnis zu dem erhofften wirtschaflichen Erfolg für Hamburg steht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Hamburger Hafen künftig nicht mehr konkurrenzfähig ist, nur weil die Elbvertiefung Schiffen mit einem Tiefgang von mehr als 13 Meter das Anlaufen nicht ermöglicht. Hamburg wird nicht einbrechen und zum Biotop werden, nur weil diese Megaboxer den Hafen nicht anlaufen können. Es werden eben mehr kleinere Schiffe benötigt , um das weiter steigende Ladungsvolumen von und nach Hamburg zu transportieren.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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