Thema Des Monats

Die niedrige Ausfallrate unserer Schiffe spricht für sich

An Bord der Berta. Das Feeder-Schiff pendelt zwischen Hamburg und Norwegen. Reeder Mad Dabelstein und der Leiter der technischen Inspektion, Eckhard Stieper erklären im Interview, warum ein Schiff ein autarkes Unternehmen ist, weshalb ein Blick in den Maschinenraum so wichtig und warum MarConsult so zuversichtlich für das Jahr 2014 ist.

Frage: Wir stehen auf der Brücke der Berta. Wohin wird sie auslaufen?

Mad Dabelstein: Die Berta verkehrt seit einem Jahr zwischen Hamburg und Norwegen im Containerverkehr. Die Berta ist ein Container-Feeder-Schiff, das aufgrund seiner kompakten Größe sehr gut in die kleinen norwegischen Häfen kommt. Es ist zwar keines unserer eigenen Schiffe, aber wir haben es im technischen Management und sind verantwortlich für die Befrachtung, also Vercharterung.

Frage: Fährt die Berta profitabel?

Mad Dabelstein: Ja, durchaus. Die Berta bekommt zur Zeit eine Zeit-Charterrate von etwa 5.000 Euro am Tag, was in Bezug auf Ihre Größe sehr gut ist. Das Schiff kann knapp 700 Container laden, verfügt über eigenes Ladegeschirr (Krane) und ist damit kein reines Containerschiff. Wir sind mit 14 Mann unterwegs, die Decksbesatzung, die Offiziere und das Personal im Maschinenraum. Es rechnet sich.

Frage: Wird die Mannschaft von MarConsult gestellt?

Mad Dabelstein: Wir haben etwa 400-450 Seeleute in einem Kontingent, das wir von einer mit uns seit vielen Jahren vertraulich zusammenarbeitenden Crew-Management-Firma auf Zypern beziehen. Mit diesen Seeleuten arbeiten wir schon lange, wir kennen uns, sind aufeinander eingespielt. Die Schiffe werden in der Regel von zwei Kapitänen und zwei Ingenieuren geleitet. Einer geht in Urlaub, der andere kommt an Bord. So übergeben sich zwei Spezialisten die Verantwortung. Zudem besteht eine besondere Beziehung zum Schiff. Die Besatzung trägt unsere Arbeitskleidung mit unserer Reederei-Flagge auf dem Overall.

Frage: Die Seeleute haben einen hohen Wert unter ihren Füßen.

Mad Dabelstein: Ja, wir müssen uns auf unsere Besatzung verlassen. Die 14 Crewmitglieder fahren eigenständig durch die Welt, in diesem Fall zwischen Norwegen und Hamburg. Unsere anderen Schiffe pendeln zwischen Australien, Neu Seeland, Singapur oder Amerika. Die Crew muss das Schiff wie ihr eigenes behandeln, ist mitverantwortlich für den reibungslosen Bordbetrieb und stimmt sich damit tagtäglich mit unseren Technikern aus unserer Inspektionsabteilung ab

Eckhard Stieper: Ein solches Schiff ist wie ein autarkes Unternehmen. Hier oben auf der Brücke steht der Kapitän. Daneben wacht der Steuermann. In der Küche arbeitet der Koch. Wenn er nicht gut auftischt, ist die Besatzung unzufrieden und das wiederum bekommt dem Schiff nicht gut. Die Crew arbeitet Hand in Hand, alles hängt voneinander ab und ergibt im Ergebnis die Qualität, die unserer Charterer von uns erwarten.

Frage: Wie halten Sie Kontakt zur Besatzung?

Eckhard Stieper: Wir erhalten jeden Tag einen sogenannten Noon-Report von allen unseren Schiffen. So bekommen wir wichtige Daten wie Position, Geschwindigkeit, Durchschnittsgeschwindigkeit der vergangenen 24 Stunden und Maschinendaten wie Abgastemperaturen, Ölverbrauch etc. Wir kontrollieren, ob die Daten plausibel sind und greifen in Zweifelsfällen vom Office aus ein, stehen der Besatzung mit Rat und Tat zur Seite.

Mad Dabelstein: Den täglichen Kontakt zur Crew und dem Schiff halten wir nicht nur per Email, sondern auch per Telefon. Wir rufen an Bord an, um die Stimmung zu erfahren. Ich bin ein Freund des Telefonierens. Kurze Wege, schnelle Entscheidungen sind wichtig. Die Kollegen wie etwa Kapitän Seljanko auf der Berta sind schon lange bei uns. Sie identifizieren sich mit MarConsult.

Frage: Nun sind wir im Maschinenraum. Wird die Maschine repariert?

Eckhard Stieper: Ein Kolben wird gezogen. Er wird gereinigt und bekommt neue Kolbenringe, damit sich die Kompression verbessert. Diese Maschine hat sieben Zylinder. Die Ersatzteile werden über unser Büro geordert. Wir technischen Inspektoren überwachen den Prozess.

Frage: Warum ist die funktionierende Technik im Maschinenraum so wichtig?

Mad Dabelstein: Wenn das Schiff nicht fahren kann, verliert es Geld. Es erhält keine Charterraten und muss darüber hinaus für die Reparaturen aufkommen, was wiederum enorm viel kosten kann. Dadurch erhöhen sich die Betriebskosten, was zu Lasten der Rendite und damit zu Lasten der an dem Schiff beteiligten Investoren geht. Wir halten es für unbedingt erforderlich, dass der Investor den Reeder kennt. Vertrauen ist unbedingte Voraussetzung für partnerschaftliche Kooperation. Schließlich vertrauen unsere Partner uns einen Teil ihres Kapitals an und investieren gemeinsam mit uns in ein Schiff. Wenn der Reeder kein vernünftiges und erfahrenes See- oder Landpersonal hat, kommt es schnell zu teuren Ausfällen. Wenn dieses Schiff zehn Tage repariert werden müsste, fehlten allein 50.000 Euro Charterrate. Dazu kommen die Reparaturkosten. Das kann man nicht wieder hereinfahren.

Frage: Investoren sollten also in den Maschinenraum schauen?

Mad Dabelstein: Im Prinzip wäre das nicht schlecht, lässt sich aufgrund des weltweiten Einsatzes der Schiffe in aller Regel nur schwer realisieren. Sie sollten den Reeder, aus den genannten Gründen kennen, so wie unsere Investoren es tun. Vertrauen ist in dieser kostenintensiven Branche aus unserer Sicht unerlässlich.

Frage: Sind Sie für 2014 zuversichtlich?

Mad Dabelstein: Ich bin für Schiffe unserer Größenklasse, die sogenannte Feedertonnage, kleinere Vielzweckfrachter und Handysize Bulkcarrier sehr zuversichtlich. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, uns von Problemen befreit. Wir spüren den Aufwind. Wir haben unser Personal gehalten und damit den Weg bereitet, neue Projekte zu stemmen und weitere Schiffe zu kaufen. Wir haben viel Vertrauen zu unseren Investoren und Partnern und sie vertrauen uns.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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