Thema Des Monats

„Unsere Anstrengungen haben sich gelohnt“.

MarConsult ist in 2014 kräftig gewachsen und hat 14 gebrauchte Schiffe erworben. Weshalb dies ein guter Zeitpunkt für die Expansion ist und was die Hamburger Reederei mit den Feederschiffen, Vielzweckfrachtern sowie Bulkern plant erklärt Geschäftsführer und Gesellschafter Mad Dabelstein im Interview.

Frage: Herr Dabelstein, in 2014 ist MarConsult kräftig gewachsen. Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um Schiffe zu erwerben?

Mad Dabelstein: Wir haben kleinere Container-Feederschiffe, Vielzweckfrachter und zwei Bulker erworben, weil wir an die Nachhaltigkeit dieser Schiffstypen und Größen aufgrund geringer Neubauaktivitäten in Verbindung mit eine Vielzahl von Verschrottungen alter Tonnage glauben. Aufgrund unserer jahrzehntelangen Verbindungen zu weltweit operierenden Charterern, die ein großes Interesse an den besagten Schiffstypen haben, konnten wir bereits vor Übernahme der angekauften Schiffe, entsprechende Beschäftigungen verhandeln. Alle durch uns gekauften Schiffe haben somit nach erfolgter Übernahme und Instandsetzung entsprechend lukrative Beschäftigungen gefunden. Auch wenn die abgeschlossenen Charterraten noch nicht wieder auf dem Niveau des Marktes vor dieser mittlerweise sechs Jahre andauernden Krise liegen, so decken sie bereits Betriebskosten und den Kapitaldienst. Der Markt hat die Schiffe angenommen. Damit haben wir die Ziele, die wir uns gesetzt haben, voll erreicht.

Frage: Wie viele Schiffe haben Sie erworben und wo sollen sie eingesetzt werden?

Mad Dabelstein: Wir haben seit Ende 2013 16 gebrauchte Schiffe gekauft oder ersteigert. Dies sind drei Feederschiffe mit eigenem Ladegeschirr, zwei Feederschiffe ohne Ladegeschirr, neun Vielzweckfrachter in der Größenordnung zwischen 10.500 und 11.500 Tonnen Tragfähigkeit sowie zwei Bulker (sog. Laker) mit einer Tragfähigkeit von rund 30.000 Tonnen, die aufgrund ihrer Abmessungen die großen Seen in Kanada befahren können. Alle Schiffe wurden oder werden noch vor ihrem Einsatz gedockt und umfangreich überholt, bevor wir sie in die geschlossenen Chartern angeliefert haben oder anliefern werden.

Frage: Wie groß ist die Flotte jetzt und werden Sie noch weiter zukaufen?

Mad Dabelstein: Aktuell besteht unsere Flotte aus 23 Schiffen. Wir werden allerdings in Kürze drei unserer älteren Schiffe verkaufen. Ferner planen wir in 2015 den Ankauf weiterer Schiffe. Allerdings werden wir uns diesbezüglich nicht unter Druck setzen, sondern vielmehr weiterhin in Ruhe nach geeigneter Tonnage Ausschau halten. Die Arbeit, die mit der Übernahme und Instandsetzung der erworbenen Schiffe verbunden ist, ist nicht unerheblich und so wollen wir den zweiten Schritt erst nach dem ersten machen.

Frage: Mit welchen Gefühl gehen Sie ins Risiko und stocken so kräftig auf ?

Mad Dabelstein: Die Schiffahrt ist starken Zyklen unterlegen, Marktschwankungen waren seit jeher an der Tagesordnung. Die neuen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten wie das Internet schaffen eine vermeintlich größere Transparenz. Allerdings werden hier auch eine Vielzahl von Falschinformationen und schlecht recherchierten Berichten veröffentlich, die einen erheblichen Einfluss auf die Märkte haben können. Es kommt somit entscheidend darauf an, dass man von seinem Tun überzeugt ist. Als Unternehmer muss man ständig Chance und Risiko abwägen. Wir sind überzeugt davon, dass unsere Flottenerweiterung mehr Chancen als Risiken beinhaltet und das antizyklisches Handeln, insbesondere aufgrund der nunmehr ins siebte Jahr gehenden Krise, der richtige Weg ist. Wir nehmen uns die erfolgreichen Reedereien zum Vorbild und hier insbesondere die griechischen Reeder, die stets antizyklisch gehandelt haben indem sie in schlechten Zeiten investierten und bei einsetzender Markterholung wieder verkauften. Diese Vorgehensweise war über Jahrzehnte in Deutschland nicht möglich, weil Banken entsprechende Investitionen nur dann unterstützt haben, wenn der Markt gut war. Viele Banken haben inzwischen umgedacht und so haben wir sie für unsere Pläne gewinnen können.

Frage: Sie hatten also nie Zweifel an der Expansion?

Mad Dabelstein: Nein, Zweifel haben uns nie geplagt, sie hätten uns auch nur unnötig gebremst. Wir sehen uns vielmehr bestätigt. Bisher sind unsere Prognosen aufgegangen. Wir sind keine Analysten oder Zahlenmenschen. Durch unsere jahrzehntelange Erfahrung in der Befrachtung von Schiffen und der damit entstandenen Nähe zu unseren weltweit operierenden Charterern, sehen wir eine entsprechende Nachfrage nach unserer Tonnage im Markt. Die im Vorfeld geführten Gespräche mit unseren Charterern und die letztlich zum Abschluss gebrachten Verträge werden derzeit zu Gunsten unserer Charterer durch die stark gefallenen Treibstoffpreise positiv beeinflusst. Eine Entwicklung, die unseren Vertragspartnern zugute kommt und indirekt damit auch uns.

Frage: Hilft Ihnen auch der schwache Euro?

Mad Dabelstein: In der Tat hilft uns der schwache Euro. Unsere Einnahmen aus Charterraten erfolgen überwiegend in Dollar. Die Schiffsbetriebskosten hingegen fallen bis zu teilweise 50% in Euro an. Die Wechselkursentwicklung nützt insbesondere schon deshalb, weil wir unsere Kalkulationen mit einem wesentlich stärkeren Euro erstellt haben. Überdies hilft uns der starke Dollar auch auf der Ertragsseite der Reederei.

Frage: Hat sich MarConsult durch die Expansion verändert?

Mad Dabelstein: Wir haben uns spürbar erholt. Der Teamspirit bei uns ist enorm. Der starke Zusammenhalt aller Mitarbeiter in unserem Unternehmen hat uns schon bei Ausbruch und während der Krise enorm geholfen. Wir sehen, dass sich unsere Anstrengungen in den vergangenen Jahren gelohnt haben und es zahlt sich jetzt aus, dass wir die Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter in der Krise nicht abgebaut haben. Unser Team ist eingespielt, jeder zieht am richtigen Ende des Strangs. Wir dürfen uns deswegen aber nicht auf den Erfolgen ausruhen, sondern müssen uns den ständig wachsenden Anforderungen mit weiterem Engagement stellen.

Frage: Sind Ihre Investoren ebenso zufrieden?

Mad Dabelstein: Ohne die Unterstützung und das Vertrauen unser Investoren, hätte die Expansion nicht geklappt. Alle erworbenen Schiffe sind Privatplatzierungen, also keine Fondsschiffe. Der Gesellschafterkreis, der uns Eigenkapital zur Verfügung gestellt hat, ist von der Personenzahl sehr klein. Da ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Investoren, aber auch mit der finanzierenden Bank absolut erforderlich. Wir haben uns viel Zeit genommen, um mit den Bankspezialisten intensiv über den Markt zu sprechen. Nun teilt die Bank unsere Sicht. Zudem werden wir dadurch gestärkt, dass die erworbenen Schiffe alle lukrative Beschäftigung gefunden haben. Das bringt eine positive Dynamik.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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