Thema Des Monats

„Vier Jahre Krise werfen uns nicht um“.

Ein Unternehmen der Schifffahrt bietet momentan nicht gerade den attraktivsten Arbeitsplatz, sollte man meinen. Die Kollegen von MarConsult allerdings beweisen, dass selbst schwierige Probleme gelöst werden können und mit Engagement sowie Kreativität die Branchenkrise erfolgreich bekämpft wird. Sie blicken daher optimistisch in die Zukunft.

Jörg-Heiner Wulff
Prokurist

Projektmanagement
Fifi Cheung
Prokuristin

Finanzen/Controlling
Eckhard Stieper
Prokurist

Reedereiinspektion/Technik
Leev Klemmer


Assistentin Geschäftsführung

Frage: Sie vier arbeiten für MarConsult. Welche Aufgaben haben Sie?

Jörg-Heiner Wulff: Ich bin seit 1994 bei MarConsult. Damals war dies noch ein kleiner Makler- und Reedereibetrieb mit drei Mitarbeitern. In den Jahren habe ich bei MC nahezu alles gemacht – Maklerverträge, An- und Verkauf,, Registrierung von Schiffen, Ausflaggung, Dokumentationen, technische- und nautische Inspektionsassistenz, technischen Einkauf Crew-Management oder die Geschäftsführung von Einschiffsgesellschaften. Jetzt kümmere ich mich um die Finanzkommunikation und Berichte an die Gesellschafter. Auch bin ich der erste Anlaufpunkt für die Banker. Zudem bekomme ich sämtliche Vertragswerke auf den Tisch und erstelle Rentabilitätsanalysen und Projektkalkulationen.

Eckhard Stieper: Ich habe schon als selbständiger Ingenieur für MarConsult gearbeitet. Nun bin ich fest angestellt und leite die Bereiche Technik sowie Inspektion. Dadurch bin ich häufig unterwegs, muss Schiffe inspizieren oder Dockungen vorbereiten. Zuletzt war ich etwa in Venezuela und habe mich dort intensiv um eines unserer Schiffe gekümmert.

FiFi Cheung: Ich bin erst seit November 2012 im Haus und leite den Bereich Finanzen und Controlling. Zuvor war ich zwölf Jahre in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung und für eine kürzere Zwischenstation bei einem namhaften Emissionshaus. Da ich im Rahmen von Jahresabschlussprüfungen und der steuerlichen Beratung von Schifffahrtsgesellschaften tätig war, suchte ich die Anbindung bei einer Reederei. MarConsult bietet enorme Herausforderungen und interessante Aufgaben, weil in wirtschaftlich schwierigen Zeiten „Standardlösungen“ nicht mehr umsetzbar sind. Es sind Lösungen gefragt, die die finanziellen Möglichkeiten sämtlicher involvierter Parteien, wie z.B. Gesellschafter und Banken, berücksichtigen. Um derartige Lösungen zügig zu erarbeiten, ist es erforderlich, die Buchhaltung, die Quartals- und Jahresabschlüsse sowie das Controlling der gesamten Flotte im Haus selbst zu bearbeiten bzw. zu erstellen. Für jedes Schiff bereiten wir einmal monatlich das Reporting für unsere Gesellschafter und Banken vor. Ich habe hier ein hohes Qualitätsniveau geerbt.

Leev Nancy Klemmer: Ich arbeite als Assistenz der Geschäftsleitung. Ich habe meine Ausbildung bei MarConsult gemacht und bin bereits seit 13 Jahren im Haus. Ich arbeite sehr eng mit Mad Dabelstein zusammen.

Frage: Reeder erleben schwere Zeiten. Wie wirkt sich die Krise bei Ihnen im Haus aus?

Jörg-Heiner Wulff: Wir sind massiv betroffen. Die Charterraten sind seit Herbst 2008 – also mit Beginn der Lehman-Krise – schwer unter Druck. Dadurch decken die Einnahmen der Schiffe häufig nicht deren Betriebskosten. Bei einzelnen Schiffsklassen gilt das noch heute. Für einen kurzen Zeitraum kann man das hinnehmen. Über eine Dauer von mittlerweile fünf Jahren ist das aber nicht durchzustehen. Daher brechen etliche Einschiffsgesellschaften zusammen. Wir allerdings stemmen uns bisher erfolgreich gegen den Trend.

Frage: Wie steuern Sie der Krise entgegen? Gibt es Kostensenkungs-Potentiale?

Eckhard Stieper: Wir haben schon erheblich im Bereich Technik gespart, ohne die Sicherheit zu vernachlässigen. Die Maßnahmen greifen. Da unsere Techniker aus dem technischen Service kommen, der gerufen wird, wenn die Seeleute nicht weiterkommen, sind unsere Leute deutlich besser geschult. Sie sind es gewohnt, schwere bis nicht lösbare Probleme zu lösen. Sie können etwa gut beurteilen, ob ein defektes Teil nach der Reparatur wieder eingebaut werden kann. Daher arbeiten sie besonders gründlich, führen Reparaturen bis in das kleinste Detail durch. So verlängern wir die Wartungsintervalle und sparen Geld. Zudem motivieren wir die Besatzungen immer wieder, dass sie sparsam mit Betriebsmitteln umgehen. Auch bei den Antrieben gibt es Einsparpotential.

Frage: Ist die Stimmung im Haus gedämpft? Sind die Mitarbeiter demotiviert?

Jörg-Heiner Wulff: Nein, wir haben hier eine krisenresistente Kultur entwickelt und kommen weiterhin motiviert zur Arbeit. Wir erleben nicht die erste Krise. Es ist wichtig, wie man mit den Schwierigkeiten umgeht. Uns fällt immer wieder etwas ein, wie wir Probleme lösen. Haben wir ein Problem gelöst, können wir uns nur kurz freuen, weil schon wieder drei neue Probleme auftauchen. Mit dieser Einstellung – gebt uns das nächste Problem, wir lösen es schon – sind wir bisher am besten vorangekommen.

Frage: Was macht MarConsult besser als die Konkurrenz?

FiFi Cheung: In etlichen Emissionshäusern sind das Management und die Anleger frustriert, stecken den Kopf in den Sand und geben auf. Wir hingegen suchen die Gespräche mit Banken und Gesellschaftern, entwickeln Lösungen für Problemschiffe. Eine Insolvenz hilft niemandem. Bei der Problemlösung sind wir eben sehr kreativ, finden Kompromisse mit denen alle Beteiligten leben können. Dieser Wille ist eine unserer bedeutenden Stärken. Die Banker sind inzwischen viel besser über die Schiffsbranche informiert, es wird mehr auf Qualität geachtet als in den Boomjahren.

Leev Nancy Klemmer: Sehr wichtig ist auch, dass wir hier ein besonders gutes und eingespieltes Team sind und viele Jahre zusammen arbeiten. Unser Chef Mad Dabelstein ist keiner, der aufgibt und die Flinte ins Korn wirft. Im Gegenteil. Er motiviert uns immer wieder. Er ist das Gesicht unserer Firma, er ist MarConsult.

Jörg-Heiner Wulff: Reederei ist ein Personengeschäft. Das ist unsere Stärke. Viele Reedereien sind größer als wir. Aber viele Kollegen schleppen in der Krise auch einen Korb von ungelösten Problemen und Altlasten mit sich herum. Wie sind kleiner, flexibler, haben eine krisenerprobte Historie und das entsprechende Knowhow. Zudem setzen wir auf den richtigen Schiffstyp: Unsere Feederschiffe werden gesucht.

Frage: Schauen Sie trotz der vielen Probleme positiv in die Zukunft?

Leev Nancy Klemmer: Ich fühle mich hier absolut wohl und blicke auch sehr optimistisch voraus. Wir unterstützen uns gegenseitig. Mir ist die Arbeit mit meinem Chef sehr wichtig. Er motiviert uns täglich.

Eckhard Stieper: Es ist interessant, in einem eingespielten Team zu arbeiten. Wir müssen jeden Tag auf neue Probleme, neue Krisen reagieren. Ich bin insgesamt optimistisch und schaue positiv in die Zukunft.

Jörg-Heiner Wulff: Die christliche Seefahrt gibt es angeblich schon länger als das Christentum selbst. Daher können uns vier Jahre Krise nicht umwerfen. 90 Prozent der Waren weltweit werden mit Schiffen transportiert, das Transportmittel ist absolut konkurrenzlos. Wir sind jeden Tag einen Tag näher am Ende der Krise. Wir werden schon bald ziemlich gut dastehen.

FiFi Cheung: Ich suche die Herausforderung und wusste von Beginn an, auf was ich mich einlasse. Ich komme aus einer krisensicheren Branche. Wirtschaftsprüfer und Steuerberater kennen das Wort Krise in ihrer eigenen Branche nicht. Doch ich bereue keine Sekunde, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Mir gefallen das Team hier und die Kreativität von Herrn Dabelstein.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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