Thema Des Monats

„Was mich antreibt“.

Mad Dabelstein ist Reeder und zugleich Hockeyspieler. Teamwork, Zähigkeit und Kreativität sind dabei sowohl im Beruf als auch auf dem Platz wichtig. Im Interview erklärt Dabelstein was ihn motiviert, wie er gegen die Krise kämpft und Investoren überzeugt, weitere Schiffe mit MarConsult zu realisieren.

Frage: Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Hockey und Ihrem Beruf als Reeder?

Mad Dabelstein: Teamwork - ich bin kein Tennisspieler, ich bin Hockeyspieler. In der Tat steht „Teamwork“ für mich an erster Stelle. Unbedingtes und vor allem gegenseitiges Vertrauen sind die Basis eines guten Teams, in dem sich der eine auf den anderen verlassen kann. Ich kann mich auf meine Prokuristen und Mitarbeiter verlassen und sie sich auf mich. Aufgeben oder Resignieren kommt für mich nicht in Frage. Es gibt für jedes Problem eine Lösung. Das Spiel ist solange nicht entschieden, solange der Schlusspfiff nicht erfolgt ist.

Frage: Was treibt Mad Dabelstein an? Was motiviert ihn, jeden Morgen der Krise die Stirn zu bieten?

Mad Dabelstein: Langjährige Berufserfahrungen, mittlerweile über 30 Jahre, haben mich gelehrt, dass die Schifffahrt ein sehr volatiles Geschäft ist. Auf schwere Zeiten folgen gute Zeiten. Die nun fünf Jahre andauernde Krise hat auch etwas Positives. Wir kommen zurück auf den Boden der Tatsachen. Schifffahrt ist ein sehr spezielles Geschäft, das unbedingte fachliche Expertise erfordert. In den sogenannte „fetten Jahren“ haben sich branchenfremde und damit in der Schifffahrt überwiegend nicht erfahrene Finanzberater und Emissionshäuser der lukrativen Schiffsbeteiligung gewidmet. Ungeachtet der Marktanforderungen wurden Schiffe mit branchenfremden Kapital finanziert, die der Markt tatsächlich nicht gebraucht hat. Das Überangebot an Schiffsraum in den verschiedenen Schiffsklassen, hat den Markt zum Kollabieren gebracht.

Frage: Die zusätzlichen Kapazitäten waren überflüssig?

Mad Dabelstein: Genau. Banken, Anlageberater, Emissionshäuser haben Eigenkapital in großen Mengen von branchenfremden Investoren für Schiffsprojekte platziert, deren Sinn und Zweck teilweise bereits beim Erwerb fraglich schien. Es wurde nicht mehr mit dem Schiff Geld verdient, sondern vornehmlich an dem Schiff. Die Reeder haben alle gern mitgemacht, denn das für den Erwerb von Schiffen erforderliche Eigenkapital lag förmlich auf der Straße. Die Reeder mussten nicht mehr selber für das erforderliche Eigenkapital sorgen, es wurde Ihnen vielmehr wie von selbst zugetragen. Die Folge war, dass die Schiffspreise für Neubauten und Gebrauchtschiffe in enorme Höhen stiegen und die Überhitzung des Marktes damit die Chance auf ein lukratives Investment und eine angemessene Eigenkapitalverzinsung schrumpfen ließ.

Frage: Was können wir aus der Krise lernen?

Mad Dabelstein: Das Positive daran ist, dass sich die Schifffahrt durch diese schwere Krise wieder auf den Ursprung besinnt und voraussichtlich für die kommenden Jahre der branchenfremde, nicht in der Schifffahrt erfahrene Investor das Interesse an Schiffsbeteiligungen verloren hat. Das motiviert mich, denn ich kann mich mit den uns seit langen Jahren vertrauensvoll verbundenen Geschäftspartnern in der jetzigen schweren Zeit auf interessante und damit für die Investoren lukrative Projekte konzentrieren. Hier zeigt sich, dass der Gewinn im Einkauf liegt und dies ist es, was uns antreibt.

Frage: Sind Sie ein Kämpfer? Wie bringen Sie die Zähigkeit in Ihren Job ein?

Mad Dabelstein: Ja, ich bin durchaus ein Kämpfer und nehme für mich in Anspruch, niemals aufzugeben und stets nach Lösungen zu suchen. Zähigkeit ist es nicht alleine, es ist vor allem auch die Zuversicht, Lösungen erarbeiten zu können. Hierfür ist wieder das unbedingte Vertrauen der Geschäftspartner und Mitarbeiter erforderlich. Ein gehöriges Maß an Selbstkritik ist ebenfalls Voraussetzung dafür, begangene Fehler oder auch Fehleinschätzungen nach Möglichkeit nicht zu wiederholen. Insofern muss man als Kämpfer auch in der Lage sein, kritisiert zu werden und aus berechtigter Kritik zu lernen. Ich schätze das offene Wort und akzeptiere Kritik als eine positive Eigenschaft. Denn nur wer kritisiert hat das Ziel, eine Veränderung herbeizuführen.

Frage: Wie haben Sie es geschafft, in der Krise Banken und private Geldgeber davon zu überzeugen, drei neue Schiffe zu finanzieren?

Mad Dabelstein: Die Qualität der bislang geleisteten und erbrachten Arbeitsleistungen, die Zuverlässigkeit und Kreativität, in Krisensituationen den Überblick zu behalten und die auch gegenüber unseren Bankpartnern und Investoren praktizierte Teamarbeit – es gibt nicht einen Ansprechpartner sondern neben mir unsere vier Prokuristen – hat sicher einen erheblichen Anteil daran. Die Banken haben erkannt, dass wir Zugang zu uns seit langen Jahren verbundenen Investoren haben, die auch in der jetzigen Zeit in durch uns gemanagte Schiffe investieren. Unsere Investoren hingegen sehen, dass uns Banken auch heute noch Finanzierungen für Schiffe anbieten. Also auch hier ist es wieder die durch mich gelebte Teamarbeit. Wir müssen beide Partner, die Bank und den Investor, zusammen führen und uns selbst bedingungslos und vollumfänglich einbringen.

Frage: Warum lohnt sich Ihre Akribie, um Banker von der Leistungsfähigkeit der MarConsult zu überzeugen?

Mad Dabelstein: Wir werden auch in Zukunft Banken brauchen, unsere Schiffe zu finanzieren. Wir müssen uns die Mühe machen, den Bankenapparat und die Anforderungen, die zunehmend an Banken gestellt werden, zu verstehen. Wir müssen nachvollziehen können, warum eine Bank sich so oder so entscheidet oder entscheiden muss. Nur dann sind wir in der Lage auch in Zukunft Projekte zu realisieren. Projekte, die im Interesse einer Bank, aber auch im Interesse der Investoren sind. Das von uns gelebte, nachhaltige Krisenmanagement gibt den Bankpartnern die erforderliche Zuversicht, ein von uns beabsichtigt anzukaufendes Schiff zu finanzieren. Hierfür ist ein verlässliches, kritisches und vor allen Dingen übersichtliches und zu verstehendes Reporting erforderlich. Dies wird seit Jahren bei uns praktiziert und unseren Bankpartnern für die betreffenden Schiffe unaufgefordert monatlich zur Verfügung gestellt.

Frage: Ist die Krise bald vorüber? Sehen Sie Licht am Ende des Tunnels?

Mad Dabelstein: Wir sind einen riesen Schritt weitergekommen. Wir werden aus dieser Krise gestärkt hervorgehen. Ein Ende der Krise ist noch nicht in Sicht, wir kommen aber mit jedem verstrichenen Tag, dem Ende der Krise einen Tag näher. Das kommende Jahr 2014 wird sicherlich noch schwierig werden, aber wir befinden uns auf der Zielgeraden, oder um aus dem Hockeysport zu sprechen, im letzten Drittel der zweiten Halbzeit. Wenn ich sehe wie meine Mitarbeiter, auch die auf See, kämpfen und mitziehen, dann macht mich das sehr, sehr stolz.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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