Thema Des Monats

„Wir genießen das Vertrauen unser Investoren“.

Die Krise an den Schiffsmärkten hält an. Weshalb die Hamburger Reederei MarConsult dennoch hofft, stärker aus diesem Umbruch hervorzukommen, warum gerade kleinere Schiffe gute Chancen haben und welche zentrale Bedeutung seinen Investoren zukommt , erklärt der Geschäftsführer und Gesellschafter Mad Dabelstein im Interview.

Frage: Herr Dabelstein, was unterscheidet MarConsult von den vielen anderen Reedereien?

Mad Dabelstein: Wir vergessen nie, dass Schifffahrt vor allem Vertrauen bedeutet. Wir haben wichtige Investoren, die uns helfen, das Eigenkapital für den Kauf eines Schiffes zu stemmen, das wir allein nicht haben – der klassische Reedereigedanke. Mittlerweile sind die Schiffe sehr groß – wir reden über Volumina von mehreren hundert Millionen Euro. Das geht ohne Partner nicht. Unsere kleineren Schiffe haben wir überwiegend über Private Placements finanziert. Da spreche ich mit maximal fünf Investoren. Das sind meine klassischen Partner, mit denen ich die Eigenkapitalquote stelle, um die Finanzierung einer Bank zu bekommen. Die persönliche Nähe zum Investor ist mir sehr wichtig. Zudem gibt es in diesem Geschäft keine Weichkosten, also Provisionen für die Akquisition von Eigenkapital. Die Investoren sprechen eben nicht mit Vertriebsleuten, sondern mit uns Gesellschaftern, die wir auch finanziell beteiligt sind. Bei uns geht das gesamte Geld in das Schiff.

Frage: Reeder haben es momentan ziemlich schwer, wie steuert MarConsult durch die Krise?

Mad Dabelstein: Ich zweifele nicht daran, dass wir stärker aus diesem Umbruch hervorkommen. Wir haben sehr unternehmerisch denkende Investoren, mit denen wir die Probleme diskutieren und lösen. Wir sprechen mit unseren Partnern offen und transparent, auch über die Schwächen unserer Schiffe. Zwar haben wir auch Fondsschiffe, die wir mit Emissionshäusern platziert haben. Bei 3.000 bis 4.000 Anlegern ist dort eine Transparenz recht schwierig. Das Vertrauen unserer Großinvestoren genießen wir daher umso mehr und nutzen es, um auch gegenüber den Banken als verlässlich dazustehen. Bisher sind wir gut durch die Krise gekommen, wir müssen aber den Gürtel sehr eng schnallen. Das Jahr 2013 wird für alle Reeder eine Herausforderung.

Frage: Wird es nach dem Ausstieg der Commerzbank aus der Schiffsfinanzierung für Ihre Branche noch schwerer?

Mad Dabelstein: Der Ausstieg der Commerzbank verunsichert Investoren. Sie fragen sich, ob sie überhaupt noch Geld in Schiffe investieren sollten. Zum Glück arbeiten wir sehr gut und vertrauensvoll mit der NordLB zusammen und beweisen, dass es noch Vertrauen in uns gibt. Wir haben in 2011 zwei Private Placements zusammen mit der NordLB platziert. Wir ergreifen jede Möglichkeit, um mit unseren Partnern und Banken gemeinsam durch die Krise zu kommen. Es nützt uns nichts, wenn wir gegen die Banken schimpfen. Wir müssen alle vertrauensvoll zusammen arbeiten.

Frage: Werden künftig weniger Schiffe gebaut und sich die Frachtraten dadurch erholen?

Mad Dabelstein: Es ist gut, wenn Banken erklären, keine neuen Schiffsprojekte mehr zu finanzieren. So werden Überkapazitäten vermindert. Wir sollten aber abwarten, ob es tatsächlich so kommt. Ich bin nun seit mehr als 30 Jahren in der Schifffahrt und habe diese Aussagen schon öfter gehört. Sobald sich die Märkte wieder belebt haben und die Raten gestiegen sind, wurde auch wieder finanziert.

Frage: Sind gerade kleinere Reedereien mit kleineren Schiffen vom Aussterben bedroht?

Mad Dabelstein: Nein, das sehe ich nicht so. Es gibt Regionen, die Restriktionen für Schiffslängen und Tiefgänge haben. Diesen Markt wird es weiterhin geben und daher halten wir auch an unserem Konzept fest. Wir haben eben - projiziert auf die Straße - keine 30-Tonner auf der Autobahn, sondern Sprinter in den Innenstädten. Durch jedes große Schiff werden mehr Container bewegt und so können wir auch mehr Container in entlegene Winkel der Welt transportieren. Unsere kleinen Schiffe fahren jetzt an der afrikanischen Küste oder in der Karibik. Es gibt viele Häfen, in die nur kleine Schiffe einlaufen können. Wir haben diese Schiffe seit 15 Jahren in der Bereederung. Die Charterraten sind recht stabil geblieben, sie schwanken nicht so sehr wie bei den großen Schiffen.

Frage: Sollte der Staat den Reedern helfen, würden Sie öffentliches Geld annehmen?

Mad Dabelstein: Jahrelang haben die Reeder prächtig Geld verdient, ihre Schiffe wurden jedoch meist im Ausland gebaut. Nun kommen etliche Reeder und wollen vom Staat Hilfe. Das passt nicht zusammen. Andererseits wird den Banken mit Steuergeldern geholfen. Und diese Banken nutzen die Mittel, um ihre Bücher zu schließen und Schiffe zu verwerten. Das zieht den verbleibenden Bestand und die Preise mit nach unten. Die Politik sollte sich mehr in die Schifffahrtsindustrie einschalten. Es stehen viele Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wir haben uns die Probleme aber selbst eingebrockt, weil wir mit dem Geld der Investoren und der Banken zu viele Schiffe gebaut haben.

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Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

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