Thema Des Monats

„Wir wollen jetzt den nächsten Schritt gehen“

MarConsult hat in vergangenen Monaten 19 interessante Schiffe gekauft und will noch weiter wachsen. Weshalb dies ein guter Zeitpunkt ist, wie das Wachstum gestemmt werden und wodurch sein Unternehmen für externe Investoren noch interessanter werden soll, erklärt CEO Mad Dabelstein im Interview.

Frage: Herr Dabelstein, Ihre Flotte ist in den vergangenen Monaten kräftig gewachsen. Weshalb haben Sie derart intensiv investiert, wohin wollen Sie mit MarConsult?

Mad Dabelstein: Wir haben in den vergangenen Monaten tatsächlich enorm zugekauft und unsere Flotte um insgesamt 19 gebrauchte Schiffe wie Feederschiffe, Vielzweckfrachter und Bulker erweitert. Diese eher kleinen Schiffstypen sind am Markt stark gefragt, weil es in dieser Größenordnung weniger Neubauten gibt und eine Vielzahl entsprechend alter Tonnage verschrottet worden ist. Aufgrund der stetig größer werdenden Schiffe und der damit verbundenen Zunahme der transportierten Güter, steigt der Bedarf nach diesem Schiffstyp. Die erfreuliche Nachfrage zeigt sich auch in unseren Charterabschlüssen. Für alle Schiffe hatten wir bereits vor der Übernahme lukrative Beschäftigung vereinbaren können. Wir sehen in unserem antizyklischen Handeln mehr Chancen als Risiken und investieren daher in genau diese Größen- und Typklassen. Das Wachstum finanzieren wir aus eigenem Antrieb, zusammen mit einigen uns seit langen Jahren verbundenen Privatinvestoren. Nun denke ich darüber nach wie wir noch weiter wachsen, uns als mittelständische Reedereien künftig am Markt positionieren und weitere Zukäufe tätigen können. Nachdem wir es in der Krise geschafft haben, diese vielen interessanten Schiffe zu kaufen, wollen wir jetzt den nächsten wichtigen Schritt gehen.

Frage: Warum wollen Sie unbedingt weiter wachsen, MarConsult hat doch bereits eine wettbewerbsfähige und betriebswirtschaftlich vernünftige Größe?

Mad Dabelstein: Uns zwingt natürlich niemand zum Wachstum, das stimmt. Wir sehen momentan allerdings sehr gute Chancen, weitere Schiffe zu erwerben, weil aus den bereits erklärten Gründen jetzt der richtige Zeitpunkt für den Kauf und die damit verbundene Investition in die von uns fokussierten Schiffsklassen ist. Wenn der Markt sich dann später erholt hat und wir neben dem lukrativen Einsatz der Schiffe auch gute Preise für unsere Schiffe im Verkauf erzielen, werden wir nicht krampfhaft an unserer Flotte festhalten, sondern das eine oder andere Schiff verkaufen. Der erwartete Mehrerlös kann dann wieder in moderne Tonnage investiert werden, womit wir uns auch den künftigen Anforderungen des Marktes stellen werden. Ich denke daher auch über eine andere Unternehmensform nach, die es unternehmerisch denkenden Mittelständlern oder Privatinvestoren wie einem Family Office einfacher macht, sich an unseren expansiven Investitionsplänen zu beteiligen und eigenes Kapital beizusteuern.

Frage: Kommt Ihre Organisation überhaupt mit diesem rasanten Wachstum klar?

Mad Dabelstein: Bei der Entscheidung, die Flotte derart drastisch auszubauen lag unser stetiges Augenmerk darauf, unsere bestehende Organisation nicht zu überfordern. Genau aus diesem Grunde habe ich die Anzahl unserer erfahrenen und überwiegend langjährigen Mitarbeiter in der Krise und trotz damaliger, krisenbedingter Flottenverkleinerung nicht reduziert. Davon profitieren wir jetzt, denn wir konnten die Flottenerweiterung unter anderem aufgrund der vorhandenen Mitarbeiterstärke und der überdurchschnittlichen Erfahrung unserer Mitarbeiter realisieren. Wir mussten uns personell nur in sehr geringem Maße verstärken und haben lediglich fünf neue Mitarbeiter in den Bereichen Finanzen, Inspektion und Assistenz der Geschäftsführung eingestellt. Dies steht in einem sehr gesunden Verhältnis zur Anzahl der angekauften Schiffe.

Frage: Frage: Was sind Ihre kommenden unternehmerischen Schritte, die Sie mit MarConsult machen wollen?

Mad Dabelstein: Wir wollen weitere Schiffe ankaufen, die ausgemachte Anzahl liegt zur Zeit bei etwa zehn zusätzlichen Schiffen? Diese zu finanzieren, stellt uns vor eine besondere Aufgabe. Die Form der herkömmlichen Schiffsbeteiligung ist aufgrund der negativen Erfahrungen der vergangenen Krisenjahre, die branchenfremde Investoren mit ihren Investitionen haben machen müssen, verbrannt. Hierbei wird nicht nach den tatsächlichen Ursachen gesucht, sondern das Thema Schiff als solches verteufelt. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben wir uns auf uns selber konzentriert und den Flottenausbau aus eigenem Antrieb und mit uns seit Jahren verbundenen Partnern realisiert. Im Hinblick auf die geplante weitere Expansion denken wir bereits seit langem über eine geänderte Gesellschaftsstruktur nach, die es wie gesagt sowohl Unternehmern wie auch z.B. Family Offices interessant macht, sich mit uns zu unterhalten. Der Vorteil den wir bieten ist der, dass die Partner mit uns direkt sprechen, sich direkt mit der Reederei und damit mit den handelnden und verantwortlichen Personen, die überdies selbst beteiligt sind, austauschen. Wir wollen unseren Kreis unternehmerisch denkender Investoren, die zu uns passen, erweitern und damit weiterhin in lukrative Schiffe investieren, die ihren Platz im weltweiten Handel haben.

___________________________

Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

Alle Themen - Mad Dabelstein im Interview

Der Pool mit Thorco startet sehr vielversprechend (Februar 2017)

Wir Reeder haben keine Lobby (Dezember 2016)

Unsere Stärke ist es, marode Schiffe wieder in einen guten Zustand zu bringen (September 2016)

Wenn die Krise zum Normalzustand wird (Juni 2016)

Uns hilft die Diversifizierung bei den Schiffstypen (März 2016)

Wenn ein Unternehmer die Zuversicht verliert, dann sollte er aufhören (Dezember 2015)

Vertrauen ist die Grundlage eines jeden Geschäfts (August 2015)

Wir wollen jetzt den nächsten Schritt gehen (Juni 2015)

Unsere Anstrengungen haben sich gelohnt (Februar 2015)

Immer eine Hand am Schiff (November 2014)

Auch ohne Elbvertiefung wird der Hamburger Hafen nicht zum Biotop (August 2014)

Eine gute Ergaenzung fuer unsere Flotte (Mai 2014)

Die niedrige Ausfallrate unserer Schiffe spricht für sich (Januar 2014)

Was mich antreibt (Oktober 2013)

Bildung ist der elementare Rohstoff unserer Gesellschaft (August 2013)

Vier Jahre Krise werfen uns nicht um (Juni 2013)

Wir wollen expandieren (März 2013)

Der Gewinn liegt im Einkauf (Januar 2013)

Wir wollen die Chancen in der attraktiven Feeder-Nische nutzen (November 2012)

Wir genießen das Vertrauen unser Investoren (Oktober 2012)