Thema Des Monats

„Wir wollen expandieren“.

MarConsult hat in der Krise kein Personal abgebaut, sondern elementares Know-how im Haus gehalten. Das wird bei der angestrebten Expansion der entscheidende Vorteil sein. Sein Unternehmen könne theoretisch die bestehende Flotte verdoppeln, ohne dass die Organisation strapaziert werde, meint MarConsult-Geschäftsführer und Gesellschafter Mad Dabelstein. Dabelstein sieht bereits Anzeichen für eine Wende am Markt.

Frage: Herr Dabelstein, die Schifffahrt steckt noch immer tief in der Krise. MarConsult allerdings strebt die Vergrößerung der Flotte an. Wie passt das zusammen?

Mad Dabelstein: Wir interessieren uns für Feeder-Schiffe. Dieser Schiffstyp wird gesucht. Im Mittelmeer ist es jetzt schon schwer, ein 1.000-TEU-Schiff zu chartern. Feeder-Schiffe können auch kleine Häfen anlaufen. Sie sind vergleichbar mit kleinen handlichen Lieferwagen, die in der Innenstadt Waren anliefern, dort wo die 30-Tonner nicht hinkommen.

Frage: Warum sind Feeder-Schiffe so begehrt?

Mad Dabelstein: In den vergangenen Jahren sind nahezu ausschließlich Containerschiffe größer als 5.000 TEU neu auf den Markt gekommen. Im Bereich der kleineren Schiffe - etwa 1.000- bis 1.500-TEU - wurden nahezu keine Kapazitäten aufgebaut. Diese Schiffe haben den enormen Vorteil, dass sie auch die kleinen Häfen anlaufen können. Die Linienreeder, deren Fahrpläne immer dichter werden, müssen ihre Container auch zu diesen Häfen transportieren und chartern daher unsere Zubringer. Wenn die Konjunktur anspringt, sind die Containerriesen wieder voll beladen und die Nachfrage nach unseren Schiffen steigt noch weiter.

Frage: Macht sich die Entwicklung schon bei den Charterraten bemerkbar?

Mad Dabelstein: Ja, unbedingt. Unsere sehr gefragten 1.000-TEU-Schiffe erzielen bereits heute mit 7.500 Dollar pro Tag höhere Charterarten als 2.500-TEU-Schiffe. Ein größeres Schiff bedeutet also nicht automatisch höhere Charterraten. Auch hier zeigt sich wieder einmal, wie wichtig es ist in Details zu gehen und nicht pauschal über die Güte und Einsatzfähigkeit von Schiffen zu urteilen. In dem Feeder-Segment 1.000- bis 1.500-TEU ist ein stark rückläufiges Wachstum zu verzeichnen. Sehr viele ältere Schiffe dieses Typs sind zwischenzeitlich verschrottet, Neubauten in dieser Größe so gut wie nicht bestellt worden. Die Fondsinitiatoren haben nahezu ausschließlich auf Mega-Carrier gesetzt. Mir gefällt das, denn dieser Trend kommt meinem Unternehmen entgegen.

Frage: Sehen Sie weitere Anzeichen für eine Erholung Ihrer Branche?

Mad Dabelstein: Ja! Auf fast allen Routen werden die Frachtraten – also die Raten pro Container - zum Teil massiv erhöht. Das ist zwar noch nicht überall auf die Charterraten durchgeschlagen, wird aber kommen. Ferner sehe ich, dass die Griechen sehr aktiv sind und Schiffe kaufen. Das ist ein wichtiger Indikator. Griechische Reeder fangen nur dann an zu kaufen, wenn sie vermuten, dass die Preise künftig steigen. Hoffnungsvoll macht mich auch, dass unsere Kunden, die Charterer, nach langen Charterperioden fragen. Wir reden über Zeiträume von bis zu 24 Monaten.

Frage: Überfordern Sie Ihr Unternehmen nicht mit dem angestrebten Flottenausbau?

Mad Dabelstein: Natürlich wäre das ein rasantes Wachstum. Doch auch wir haben in der Krise Federn lassen und Schiffe verkaufen müssen. Aber wir haben kein Personal abgebaut, sondern unser Know-how behalten, um die Flotte erneuern und neu aufbauen zu können. Deshalb können wir nun auch in kurzer Frist die Flotte wieder auf die bisherige Größe wachsen lassen, ohne unsere Organisation zu überfordern.

Frage: Wie stehen die Mitarbeiter zu diesen Plänen?

Mad Dabelstein: Sie stehen voll dahinter. Wir bilden ein seit langen Jahren bewährtes Team, das krisenerprobt ist. Außerdem sehen wir ja, was im Umfeld bei anderen Reedereien passiert. Die Banken sind enorm nervös, es fallen immer mehr Schifffahrtsgesellschaften um. Man spricht von 500 Insolvenzen allein in diesem Jahr. Niemand kann sich seines Arbeitsplatzes mehr sicher sein. Daher sind unsere Mitarbeiter voller Elan und freuen sich darauf, wieder voll ausgelastet arbeiten zu können.

Frage: Sind auch die Investoren von Ihrem Vorhaben überzeugt?

Mad Dabelstein: Unsere Privatinvestoren sind gestandene Unternehmer. Wir vertrauen uns untereinander uneingeschränkt. Auch sie erkennen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für Investments ist.

___________________________

Die Fragen stellte Andreas Nölting
www.noeltingmedia.com

 

Alle Themen - Mad Dabelstein im Interview

Der Pool mit Thorco startet sehr vielversprechend (Februar 2017)

Wir Reeder haben keine Lobby (Dezember 2016)

Unsere Stärke ist es, marode Schiffe wieder in einen guten Zustand zu bringen (September 2016)

Wenn die Krise zum Normalzustand wird (Juni 2016)

Uns hilft die Diversifizierung bei den Schiffstypen (März 2016)

Wenn ein Unternehmer die Zuversicht verliert, dann sollte er aufhören (Dezember 2015)

Vertrauen ist die Grundlage eines jeden Geschäfts (August 2015)

Wir wollen jetzt den nächsten Schritt gehen (Juni 2015)

Unsere Anstrengungen haben sich gelohnt (Februar 2015)

Immer eine Hand am Schiff (November 2014)

Auch ohne Elbvertiefung wird der Hamburger Hafen nicht zum Biotop (August 2014)

Eine gute Ergaenzung fuer unsere Flotte (Mai 2014)

Die niedrige Ausfallrate unserer Schiffe spricht für sich (Januar 2014)

Was mich antreibt (Oktober 2013)

Bildung ist der elementare Rohstoff unserer Gesellschaft (August 2013)

Vier Jahre Krise werfen uns nicht um (Juni 2013)

Wir wollen expandieren (März 2013)

Der Gewinn liegt im Einkauf (Januar 2013)

Wir wollen die Chancen in der attraktiven Feeder-Nische nutzen (November 2012)

Wir genießen das Vertrauen unser Investoren (Oktober 2012)